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Selbstakzeptanz als erster und wichtigster Schritt zum Teilen aus vollem Herzen

Der erste Schritt zu beherztem Teilen beginnt mit bedingungsloser Selbstakzeptanz. Wie können wir uns verändern, wenn wir dauernd an uns herummäkeln, wenn Entwicklung keine Möglichkeit ist, sondern ein Muss? Selbstakzeptanz und Freiheit sind zwei eng miteinander verbundene Werte und Haltungen. Wilhelm Schmid schreibt in seinem Buch über das Glück, dass bei manchen Menschen das Glas nicht nur halb leer, sondern ganz leer ist. Wachstum kann dann geschehen, wenn wir uns selbst im Hier und Jetzt so sehen können, wie wir sind. Und dafür braucht es Selbstakzeptanz und die Freiheit, auch das zu sehen, was wir vielleicht nicht gerne sehen. Und auch dies zu unserem Mensch-Sein zugehörig empfinden. Dann ist der Weg frei für eine Veränderung, die von Innen heraus geschieht und sich nicht den Maximen von Aussen (anderen Menschen, der Gesellschaft oder auch unseren Vorstellungen, die sich im Kontakt mit anderen Menschen, wie beispielsweise unseren Eltern, formten) unterordnet.

Zu Selbstakzeptanz und Freiheit gesellt sich noch der Mut, denn manchmal wünschen sich Teile in uns, gesehen und gehört zu werden, die schon lange ihr Dasein im Unbewussten fristen und mit sogenannten schwierigen Gefühlen verbunden sind: Angst, Ärger, Trauer, Hoffnungslosigkeit. Und doch macht uns das mutige Anschauen und Annehmen dieser Teile zu erfüllten Menschen, die dann um so mehr sich und ihre Erfahrung mit anderen Menschen teilen wollen!
Die wahre Fülle des Lebens besteht in Hell und Dunkel, Freude und Trauer, Ja und Nein, und wir sind herausgefordert, dies in unseren Beziehungen zu teilen. Der Ängstliche und der Mutige bilden zusammen ein Ganzes, wer will schon darüber urteilen, was von beidem nun besser oder wichtiger wäre?

Bald bin ich licht, bald bin ich trüb,
bald hart, bald weich, dann bös, dann gut.
Bin Sonn und Vogel, Staub und Wind,
so Mond als Kerze, so Strom wie Glut,
bin arger Geist, bin Engelkind -
Alles, alles ist gut.

Rumi (1207-1273)

Mit jedem Schritt zu mehr Selbstakzeptanz wächst unsere Fähigkeit zu Mitgefühl und Liebe. Dabei sind wir uns bewusst, das Selbstakzeptanz ein Prozess ist, ein Weg, den wir gehen möchten, und kein einmaliges Geschehen.

Der zweite Schritt zu beherztem Teilen besteht im sich zeigen, so wie man gerade ist. Dabei geben wir unserem Gegenüber die Freiheit, so zu sein, wie es gerade ist. Auch dies ist ein Prozess, in dem wir uns erlauben zu experimentieren und dieses Experimentieren höher gewichten als das „richtige, gute Ergebnis“ oder es richtig zu machen, den Anforderungen anderer zu genügen.

Komm, komm ...
wer immer du bist,
Wanderer, Götzenanbeter,
du, der du den Abschied liebst,
es spielt keine Rolle.
...
Komm,
auch wenn du deinen Schwur
tausendfach gebrochen hast.

Komm, komm,
noch einmal, komm.

Rumi (1207-1273)


Mit dem Gehen dieser beiden Schritte gestaltet sich das Verbundsein mit Anderen und mit dem grösseren Ganzen wie von selbst. Wir öffnen uns für das Überraschende, lassen uns berühren vom Ungewohnten und staunen...

Wie kommt es zu einer wirklichen Verbindung zwischen Menschen? Wenn das gleiche Wissen eine Tür zwischen ihnen öffnet. Suche in jenen, mit denen du zusammen bist, stets nach deinem innersten Wesen. Wie Rosenöl aus Rosen trinkt. Selbst auf dem Grab eines Heiligen legt ein Heiliger Gesicht und Hände nieder und nimmt Licht auf.

Rumi (1207-1273)

 

 

20.11.2017

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